{"id":9112,"date":"2017-01-21T14:20:52","date_gmt":"2017-01-21T14:20:52","guid":{"rendered":"http:\/\/brillengeschwader.com\/?page_id=9112"},"modified":"2017-10-31T19:37:26","modified_gmt":"2017-10-31T19:37:26","slug":"landschaft-unter-aufsicht","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/susebauer.net\/wordpress\/landschaft-unter-aufsicht\/","title":{"rendered":"Landschaft unter Aufsicht"},"content":{"rendered":"<p>Die Spannung in Suse Bauers Arbeiten bildet sich in der Dichotomie von bedeutungsaufgeladener Form mit gro\u00dfer, vision\u00e4rer Geste einerseits und andererseits dem, was entsteht, wenn das Individuum versucht, die Vision in den eigenen Alltag, die eigene Lebenswelt praktisch zu \u00fcbertragen. <\/p>\n<p>Exemplarisch f\u00fcr diese Pole stehen die beiden Arbeiten: \u00bbErste Verk\u00fcndung der symbolhaften Anleitung zur Gestaltung der Welt\u00ab, eine gro\u00dfformatige Papierarbeit und \u00bbEn conversation avec les fleurs\u00ab, eine Reliefkeramik. Erstere, versehen mit einem Titel, dem die Tendenz zur Selbstaufl\u00f6sung eingeschrieben wurde, strahlt in intensiver Farbigkeit. Ihre subtile Kraft entsteht aus der physischen Erfahrbarkeit der besonderen Oberfl\u00e4chen, die auf vielf\u00e4ltige Weise in das dick aufgetragene \u00d6l gearbeitet sind. Abstrakte Komposition lassen klare geometrische Formen zum figurativen Ausdruck einer dargestellten Szene werden. Die m\u00f6gliche Figur steht unter Spannung und strebt danach  sich im Raum zu materialisieren, bereit zur Verk\u00fcndigung als performativen Akt. Diese Arbeit verweigert sich den vermeintlichen Zwangsl\u00e4ufigkeiten, die sich aus Formzitaten der klassischen Moderne ergeben und tritt als selbstbewusst heutige Behauptung auf. Bauers Transformationsleistung in den eigenen Kosmos hinein, so wie die forsche Handgemachtheit des Farbauftrags individualisiert die scheinbar gro\u00dfe Geste.<br \/>\nDes Pathos und der Explizitheit entledigt, befreit vom unerf\u00fcllbaren Auftrag, ist es der Komposition nun erlaubt, zu reflektieren. Es bleibt unbekannt ob es die Vision ist, die sich aufgel\u00f6st hat oder ob diejenigen, die urspr\u00fcnglich angesprochen werden sollten, sich aufgel\u00f6st haben.<\/p>\n<p>\u00bbEn conversation avec les fleurs\u00ab &#8211;  Bronze-matt glasiert schimmert das Relief und scheint bedeutungsaufgeladen. Es beinhaltet, wie es h\u00e4ngt, offensichtlich die Tragik des halb realisierten Vorhabens K\u00f6rper zu werden. Es ist arch\u00e4ologisches Fundst\u00fcck der Fr\u00fchzeit ebenso wie ein zarter Versuch, W\u00fcrmer von quadratischem Schnitt auf einem Fleischhammer &#8211; strukturierten Brotteig zu arrangieren und (denn der Ma\u00dfstab des m\u00f6glicherweise Dargestellten bleibt unbekannt) die Luftaufnahme der Landschaft, in der die titelgebende Conversation stattfinden wird. Beide Arbeiten weigern sich, den Informationsgehalt, der ihnen zweifellos innewohnt, dem Unwissenden preiszugeben.  <\/p>\n<p>\u00bbIn welche H\u00f6hlen, welchen Sch\u00e4del sind die Augen eingelassen, die jetzt so auf diese Landschaft sehen&#8230; mit denen ich diese Landschaft beaufsichtige..\u00ab*<\/p>\n<p>Das Formenrepertoire entwickelt Suse Bauer nach einer individuellen Logik. Sie spricht in diesem Zusammenhang von einem Interesse f\u00fcr das Bedeutungsgef\u00e4\u00df, das neben dem Leninmausoleum, genauso eine antike Keramik, der katholische Dom oder der Schrein des Buches sein kann. Sie \u00fcbertr\u00e4gt all dies in einem hemmungslosen Aneignungsprozess,  entwickelt ihre Heraldik jenseits von Rationalit\u00e4t, Historismus und Anwendbarkeit und findet so ihren Umgang mit dem Gewesenen und dem Jetzt . \u00bbDamit ist das Einbahnstra\u00dfenprinzip der Geschichte suspendiert und das Prinzip der Unwiderrufbarkeit selbst in Frage gestellt. Es geht also nicht um die Figur einer einfachen oder ewigen Wiederkehr, sondern fast um das Gegenteil: Es geht um r\u00fcckwirkende Anerkennung der M\u00f6glichkeit, die zwischen dem Geschehenen und dem Nicht-Geschehenen das Gleichgewicht h\u00e4lt, um die Wiedereinsetzung des Wirbels in die Vergangenheit, bevor diese sich in der einen oder anderen Richtung entschieden hat.\u00ab<\/p>\n<p>Suse Bauer produziert innerhalb einer individuellen Heterotopie. Ihr Arbeitsprozess dort kann vielleicht als komplexer, unendlicher Versuch bezeichnet werden, sich diese Welt zu erkl\u00e4ren, sie im \u00fcbertragenden wie im konkreten Sinn handhabbar zu machen. Den Erkenntnisgewinn teilt sie nur in ihren Arbeiten mit, daher ist es richtig und konsequent, wenn sie ihre letzte Ausstellung benennt mit:<br \/>\n\u00bbAlles, was von mir \u00bbIch\u00ab genannt wird \u00ab<\/p>\n<p>(Hans St\u00fctzer)<\/p>\n<p>* Heiner M\u00fcller aus \u00bbNotizheftbl\u00e4tter Mexicoreise 1978\u00ab<br \/>\nUlrike Ha\u00df aus \u00bbJenseits der optischen H\u00f6hle. Vom Rhythmus des Sehens\u00ab aus \u00bbBildbeschreibung. Ende der Vorstellung\u00ab Theater der Zeit \/ Recherchen 29<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Spannung in Suse Bauers Arbeiten bildet sich in der Dichotomie von bedeutungsaufgeladener Form mit gro\u00dfer, vision\u00e4rer Geste einerseits und andererseits dem, was entsteht, wenn das Individuum versucht, die Vision in den eigenen Alltag, die eigene Lebenswelt praktisch zu \u00fcbertragen. Exemplarisch f\u00fcr diese Pole stehen die beiden Arbeiten: \u00bbErste Verk\u00fcndung der symbolhaften Anleitung zur Gestaltung der Welt\u00ab, eine gro\u00dfformatige Papierarbeit und \u00bbEn conversation avec les fleurs\u00ab, eine Reliefkeramik. 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