{"id":10580,"date":"2024-03-01T11:35:00","date_gmt":"2024-03-01T11:35:00","guid":{"rendered":"http:\/\/susebauer.net\/wordpress\/?p=10580"},"modified":"2024-03-15T11:35:54","modified_gmt":"2024-03-15T11:35:54","slug":"exhibition-view-at-galerie-conradi-2021","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/susebauer.net\/wordpress\/exhibition\/wohnstatt-der-steine\/exhibition-view-at-galerie-conradi-2021\/","title":{"rendered":"WOHNSTATT DER STEINE exhibition view at Galerie Conradi 2021"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" width=\"5184\" height=\"3456\" src=\"http:\/\/susebauer.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/14.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10528\" srcset=\"http:\/\/susebauer.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/14.jpg 5184w, http:\/\/susebauer.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/14-300x200.jpg 300w, http:\/\/susebauer.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/14-768x512.jpg 768w, http:\/\/susebauer.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/14-1024x683.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 5184px) 100vw, 5184px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" width=\"5184\" height=\"3456\" src=\"http:\/\/susebauer.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/13.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10527\" srcset=\"http:\/\/susebauer.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/13.jpg 5184w, http:\/\/susebauer.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/13-300x200.jpg 300w, http:\/\/susebauer.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/13-768x512.jpg 768w, http:\/\/susebauer.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/13-1024x683.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 5184px) 100vw, 5184px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" width=\"5184\" height=\"3456\" src=\"http:\/\/susebauer.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/11.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10525\" srcset=\"http:\/\/susebauer.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/11.jpg 5184w, http:\/\/susebauer.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/11-300x200.jpg 300w, http:\/\/susebauer.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/11-768x512.jpg 768w, http:\/\/susebauer.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/11-1024x683.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 5184px) 100vw, 5184px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Suse Bauer<br>Wohnstatt der Steine<br>Sep 10 \u2013 Dez 4, 2021<br><\/p>\n\n\n\n<p>Elena Conradi &amp; Suse Bauer<\/p>\n\n\n\n<p><br><br>e<br>In deiner neuen Ausstellung ziehen drei verzerrte Sockel mit wellenf\u00f6rmigem Profil die<br>Aufmerksamkeit auf sich. Die Exponate, die sie pr\u00e4sentieren, k\u00f6nnten Skulpturen oder<br>genauso gut Modelle darstellen. Ihre Oberfl\u00e4chen wirken gegenu\u0308ber der Scharfkantigkeit der<br>Podeste irgendwie rau, por\u00f6s. Sind hier Entwu\u0308rfe eines Kunst-am-Bau-Wettbewerbs<br>ausgestellt? Oder handelt es sich um modernistische Bauideen, angedacht m\u00f6glicherweise<br>zur \u00dcbertragung in einen anderen Ma\u00dfstab, an einem anderen Ort \u2026?<br>Wohnstatt der Steine \u2013 der Titel scheint dies anzudeuten.<br>s<br>Ich hatte sie in meiner Vorstellung als Modelle von Monumentalbauten gedacht, irgendwie<br>ungebrochen und bedru\u0308ckend. Mit war wichtig, dass Ma\u00dfst\u00e4blichkeit und Funktion<br>offenbleiben. Wohnstatt der Steine entstand 2019, nach einer l\u00e4ngeren Israelreise. Ich habe<br>mir brutalistische Architektur u\u0308berall im Land angesehen, da mich die bauliche Formenwelt<br>der einstigen Pioniergesellschaft interessierte, auch und gerade wegen einiger Parallelen zur<br>Formensprache von DDR-Architektur. Nur dass hier der Beton viel umfassender verwendet<br>wurde und in dieser irrsinnigen Hitze steht. Mich interessieren Vorstellungen von Zukunft.<br>Mit diesem Bildhauerton, der in feuchtem Zustand an Waschbeton oder sehr groben Putz<br>erinnert, habe ich Platten gewalzt, aus denen sp\u00e4ter diese Skulpturen wurden.<br>e<br>Ich stelle mir vor, Wohnstatt der Steine sind ins Plastische u\u0308bertragene Entwurfszeichnungen<br>aus Archiven. Fu\u0308r Bauten, die nie umgesetzt wurden. Weil die Zeiten und Verh\u00e4ltnisse sich<br>vorher \u00e4nderten oder die Umsetzung sich als illusorisch und anma\u00dfend erwies.<br>s<br>Mich interessiert die sozialistische Gro\u00dfbaustelle als Bild und Bu\u0308hne in zwei literarischen<br>Werken, in denen sie zur Projektionsfl\u00e4che fu\u0308r das Scheitern der Utopie an Hierarchie und<br>bu\u0308rokratischer Institutionalisierung wird. In der DDR erschien 1964 \u201eSpur der Steine\u201c,1 ein<br>Roman, nach dessen Motiven Heiner Mu\u0308ller 1964 das Stu\u0308ck \u201eDer Bau\u201c2 schrieb. Es war bis<br>1980 verboten und Mu\u0308ller selbst bezeichnete es als \u201eein Stu\u0308ck u\u0308ber die Zerst\u00f6rung der<br>Landschaft durch Utopie\u201c. Andrej Platonow schrieb 1930 \u201eDie Baugrube\u201c3, einen Roman,<br>der wegen der Zensur erst 1987 erscheinen konnte. Darin geht es um ein gigantisches<br>proletarisches Bauprojekt, das sich nichts Geringeres als die glu\u0308ckliche Zukunft der<br>Menschheit zum Ziel gesetzt hat und dies durch das Mitwirken Aller und ihrer H\u00e4nde Arbeit<br>erreichen will, aber an der Last der Aufgabe scheitert.<br>e<br>In deinen Arbeiten sind die Dinge auf Dimensionalit\u00e4t, Mehrdeutigkeit und Latenz<br>angelegt. Das gilt ja u\u0308brigens auch fu\u0308r Makers and Takers \u2013 die u\u0308berdimensionalen und<br>verzerrt wirkenden Geldmu\u0308nzen oder die Apfelscheiben aus Keramik an den W\u00e4nden des<br>Ausstellungsraums. Gr\u00f6\u00dfenverh\u00e4ltnisse wirken simuliert, verhandelbar. Alles befindet sich in<br>dem Status bedingter Gu\u0308ltigkeit, bereit fu\u0308r das n\u00e4chste Update. Vielleicht ist das<br>Entwurfhafte auch eine Erkl\u00e4rung dafu\u0308r, warum bei Wohnstatt der Steine die Tonobjekte nur<br>einmal gebrannt wurden, ohne den finalen, das Material festigenden Hochbrand?<br>s<br>Ich ziehe den Begriff Bauten vor, und ja, das ist so. Diese Bauten sind M\u00f6glichkeiten, ihre<br>Vorl\u00e4ufigkeit ist ihnen eingeschrieben, sie sind im Werden festgehalten.<br>e<br>Bauten also. W\u00e4hrend eine andere Keramikarbeit aus der Ausstellung \u2013 eine reliefartige<br>Wandarbeit aus lasiertem Ton \u2013 durch ihren Titel Wohnscheibe konkret auf die generischen<br>Plattenbauten der DDR anspielt, ist Wohnstatt der Steine eine ku\u0308nstlerische Ann\u00e4herung an<br>die Idee von Architektur als politischer Vision. In den Bauten der Industriemoderne dru\u0308ckte<br>sich in der \u00e4sthetischen und funktionalen Standardisierung der Architekturen die<br>gesellschaftliche \u00dcbereinkunft daru\u0308ber aus, das Singul\u00e4re dem Gemeinwohl unterzuordnen.<br>Dann \u00e4nderten sich auf den Baustellen der Wendezeit die Zuschreibungen. In Beton<br>gegossenes Wohnen befriedigt heute das Distinktionsbedu\u0308rfnis urbaner Eliten.<br>s<br>Das Projekt Plattenbau- oder Neubausiedlung war fu\u0308r meine Eltern pers\u00f6nlich und beruflich<br>bedeutsam, beide arbeiteten als Bauingenieure in der sogenannten Plattenvorfertigung und<br>die Wohnung am Stadtrand, in die sie 1980 mit uns einzogen, war im Gegensatz zur<br>zerfallenen Altstadt modern. Es sah alles gleich aus, deshalb haben wir unseren Balkon mit<br>Farben angestrichen. So konnte ich meinen Freundinnen vom Spielplatz aus zeigen, wo ich<br>wohne. In den Innenleben dieser Wohnscheiben war dann Platz fu\u0308r die individuellen<br>Einrichtungsbedu\u0308rfnisse des \u201aneuen Menschen\u2018: Holzvert\u00e4felungen, Karibik-Wandposter &amp;<br>Kuckucksuhr. Baustellen der Wendezeit waren sp\u00e4ter ebenso Orte meiner Kindheit, als<br>meine Eltern eine Baufirma gru\u0308ndeten und wir 1991 in die Altstadt von Erfurt zogen. \u00dcberall<br>wurde zu\u0308gig saniert und nun ist sie fertig: die fein restaurierte Mittelalterstadt. Die<br>Plattenbausiedlungen wurden teilweise \u201czuru\u0308ckgebaut\u201c und sind in der Peripherie vor allem<br>zu Orten sozialer Spannungen geworden, die sich aus den sozialen Frakturen der<br>\u201eostdeutschen Transformationsgesellschaft\u201c4 ergeben haben.<br>e<br>Der programmatisch klingende Titel l\u00e4sst an utopistische staatliche Wohnungs\u2013 und<br>St\u00e4dtebaukonzepte denken: Wohnstatt der Steine k\u00f6nnte ein Arbeitstitel lauten, fu\u0308r eine<br>gro\u00dfangelegte Ausschreibung neuer \u00f6ffentlicher Anlagen, Geb\u00e4ude oder Denkm\u00e4ler, die hier<br>als Entwu\u0308rfe vorgestellt werden.<br>s<br>Ja, aber ich finde er ist ambivalent, traurig fast. Diese Steine, sie sind eben versteinert, fest.<br>Alles, was sie noch werden k\u00f6nnen, ist Staub. Wenn ich u\u0308ber den Titel nachdenke, denke<br>ich an wu\u0308ste Landschaft.<br>Gespr\u00e4ch zwischen Suse Bauer und Elena Conradi<br>Hamburg, September 2021<br>1) Erik Neutsch, Spur der Steine, Halle: Mitteldeutscher Verlag 1964.<br>2) Heiner Mu\u0308ller, Der Bau (1964), 2018.<br>3) Andrej Platonow, Die Baugrube (1930\/1987), Suhrkamp 2016.<br>4) Steffen Mau, Lu\u0308tten Klein, Suhrkamp 2020.<\/p>\n\n\n\n<p><br><br><br><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Suse BauerWohnstatt der SteineSep 10 \u2013 Dez 4, 2021 Elena Conradi &amp; Suse Bauer eIn deiner neuen Ausstellung ziehen drei verzerrte Sockel mit wellenf\u00f6rmigem Profil dieAufmerksamkeit auf sich. Die Exponate, die sie pr\u00e4sentieren, k\u00f6nnten Skulpturen odergenauso gut Modelle darstellen. Ihre Oberfl\u00e4chen wirken gegenu\u0308ber der Scharfkantigkeit derPodeste irgendwie rau, por\u00f6s. Sind hier Entwu\u0308rfe eines Kunst-am-Bau-Wettbewerbsausgestellt? 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