{"id":10593,"date":"2021-11-02T11:53:49","date_gmt":"2021-11-02T11:53:49","guid":{"rendered":"http:\/\/susebauer.net\/wordpress\/?p=10593"},"modified":"2021-11-02T12:16:56","modified_gmt":"2021-11-02T12:16:56","slug":"makers-and-takers-2021-glazed-ceramic-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/susebauer.net\/wordpress\/exhibition\/lazypoetreadabook\/makers-and-takers-2021-glazed-ceramic-2\/","title":{"rendered":"Makers and Takers 2021 glazed ceramic"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" width=\"3456\" height=\"5184\" src=\"http:\/\/susebauer.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/22.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10534\" srcset=\"http:\/\/susebauer.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/22.jpg 3456w, http:\/\/susebauer.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/22-200x300.jpg 200w, http:\/\/susebauer.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/22-768x1152.jpg 768w, http:\/\/susebauer.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/22-683x1024.jpg 683w\" sizes=\"(max-width: 3456px) 100vw, 3456px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" width=\"3456\" height=\"5184\" src=\"http:\/\/susebauer.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/23.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10535\" srcset=\"http:\/\/susebauer.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/23.jpg 3456w, http:\/\/susebauer.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/23-200x300.jpg 200w, http:\/\/susebauer.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/23-768x1152.jpg 768w, http:\/\/susebauer.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/23-683x1024.jpg 683w\" sizes=\"(max-width: 3456px) 100vw, 3456px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" width=\"5184\" height=\"3456\" src=\"http:\/\/susebauer.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/11.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10525\" srcset=\"http:\/\/susebauer.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/11.jpg 5184w, http:\/\/susebauer.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/11-300x200.jpg 300w, http:\/\/susebauer.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/11-768x512.jpg 768w, http:\/\/susebauer.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/11-1024x683.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 5184px) 100vw, 5184px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Beziehungsweisen. \u00c4pfel mit M\u00fcnzen vergleichen<br>Martin Karcher und Elena Malzew<\/p>\n\n\n\n<p>Wir leben in einer chaotischen Welt, die von dichotomen Gegens\u00e4tzen geordnet wird, eine symbolische Ordnung, welche sich durch die strukturelle \u00c4hnlichkeit dieser Beziehungen stabilisiert: krumm\/gerade, oben\/unten, hoch\/tief, Hand\/Kopf, Geld\/Liebe, Subjekt\/Objekt, Gesellschaft\/Gemeinschaft, Struktur\/Handlung, etc. Dieses Ordnungsprinzip stiftet zum einen Orientierung in dieser chaotischen Welt, indem es die kaum zu ertragende Komplexit\u00e4t reduziert. Zum anderen ist diese Hilfskonstruktion problematisch: denn erstens sortiert sie die Welt nicht blo\u00df, sie stellt Wertigkeiten und Hierarchien her, exemplarisch zeigt sich dies an vergeschlechtlichten Ordnungen. Und zweitens produziert sie systematisch Ausschl\u00fcsse und diszipliniert Abweichungen, d.h. sie \u201everletzt\u201c alles und all jene, die sich nicht freiwillig einer der beiden Kategorien zuordnen lassen. Was sich der Kategorisierung entzieht, wird in die Metaphysik geschoben oder durch Gewalt passend gemacht.<br>Neuerdings richtet sich die sozialtheoretische Aufmerksamkeit jedoch auf die vielf\u00e4ltigen Verstrickungen (entanglements), Beziehungen, Relationalit\u00e4ten und damit auf die Erkundung der M\u00f6glichkeit eines Denkens abseits von kruden Dualismen. Als besonders produktiv erweist sich dabei der Begriff der Beziehungsweise, der \u201einnerhalb einer Serie von bin\u00e4ren Oppositionen angesiedelt ist, deren Ausschlie\u00dflichkeit er unterwandert\u201c. Hervorzuheben ist, dass diese Verstrickungen mehr als blo\u00dfe Verbindungen zwischen gegebenen Dingen sind, vielmehr bilden sie selbst Ph\u00e4nomene. Erfahrbar wird dies an uns selbst, denn wir existieren in Netzen aus Beziehungen, als Subjekte haben wir keine substanzhafte Qualit\u00e4t, erst durch die Verh\u00e4ltnisse zu anderen Dingen\/ Menschen entsteht unsere Subjektivit\u00e4t \u2013 daher auch die Rede von einer relationalen Ontologie. Dieses neue Interesse an den Beziehungsweisen bringt dann \u2013 quasi beil\u00e4ufig \u2013 eine Kritik des modernen Souver\u00e4nit\u00e4tsphantasmas mit sich. Denn deutlich wird in dieser Perspektive, dass es kein Ich ohne Bez\u00fcge zu anderen gibt. Ferner erlaubt diese \u201ebeziehungstheoretische Perspektive\u201c schlie\u00dflich \u201enach den desartikulierten Beziehungen zu fragen\u201d, wie Bini Adamczak festh\u00e4lt, sie liefert also ein sensibles Instrumentarium f\u00fcr die Ausschl\u00fcsse und Disziplinierungen einer bin\u00e4ren Ordnung. Damit sind wir inmitten der Ausstellung von Suse Bauer: In welchem Geflecht bewegen wir uns in der \u201aWohnstatt der Steine\u2018? Wir stehen vor zu Scheiben gewalzten Apfelschnitzen und M\u00fcnzen, die von L\u00f6chern durchzogen sind, eingeebnet zwischen Zwei- und Dreidimensionalit\u00e4t, Skulptur und Bildfl\u00e4che gleicherma\u00dfen. Aber in welcher Beziehung stehen sie zueinander und in welche Beziehung treten wir zu ihnen? Bereits der Titel der Arbeit \u201aMakers and Takers\u2018 (2021) verweist auf eine Relationalit\u00e4t. Die Distanz der (Fern-)Beziehung von M\u00fcnzen und \u00c4pfeln scheint allerdings kaum gr\u00f6\u00dfer sein zu k\u00f6nnen. Auf der einen Seite h\u00e4ngen Apfelscheiben, symbolisch hoch aufgeladene Objekte vom S\u00fcndenfall \u00fcber Wilhelm Tell bis zum iPhone. Auf der anderen Seite M\u00fcnzgeld, dessen Abschied wir bezeugen: Kartenzahlung, Bitcoin und PayPal lassen schwere Geldbeutel und ausgebeulte Hosentaschen verschwinden. Diese Gegen\u00fcberstellung w\u00fcrde jedoch hinter dem hart erarbeiteten Zugang zur\u00fcckfallen und nur in ein Denken in tradierten Oppositionen Natur\/Apfel und Kultur\/Geld f\u00fchren. \u201aMakers and Takers\u2018 ist die Erkundung eines (Spannungs-)Verh\u00e4ltnisses jenseits bin\u00e4rer Ordnungen, die Dynamik der Arbeit entsteht durch den Entzug der M\u00f6glichkeit einer einseitigen Aufl\u00f6sung, d.h. durch die Flucht aus der Kategorie. Eine m\u00f6gliche Ann\u00e4herung an \u201aMakers and Takers\u2018 k\u00f6nnte das Nachdenken \u00fcber die Verstrickungen von Produktionsweisen und Beziehungsweisen sein, denn wie Adamczak in einem Interview vermerkt: \u201eDie Ware oder der Markt sind aber nicht einfach technische oder \u00f6konomische Institutionen oder Systeme, sondern es sind spezifische Weisen, einander zu begegnen, miteinander zu leben, in eine materielle wie emotionale Beziehung zu treten.\u201c Die einen machen (make) die Arbeit, die anderen zahlen einen Arbeitslohn in Form von Geld und nehmen (take) bzw. stehlen im Gegenzug den entstandenen Mehrwert. Neben der funktionalen Rolle von Geld als Zahlungs- und Tauschmittel l\u00e4sst sich Geld im Anschluss an Luhmann als \u2018symbolisch generalisiertes Kommunikationsmedium\u2019 fassen, welches Beziehungen und Beziehungsweisen transformiert (hier: \u00f6konomisiert). Diese konsequente Ver\u00e4nderung der Beziehung zum Produkt der eigenen Arbeit kritisierte man vormals als Entfremdung und markierte damit ein Problembewusstsein, dass gegenw\u00e4rtig zu verschwinden droht. Der skizzierte beziehungstheoretische Zugang erlaubt uns \u00fcber die Gestaltung von gelungenen Beziehung nachzudenken: Von welcher Art sollen unsere Beziehungen zur Welt, zu anderen und uns selbst sein? Wie wollen wir miteinander leben?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Beziehungsweisen. \u00c4pfel mit M\u00fcnzen vergleichenMartin Karcher und Elena Malzew Wir leben in einer chaotischen Welt, die von dichotomen Gegens\u00e4tzen geordnet wird, eine symbolische Ordnung, welche sich durch die strukturelle \u00c4hnlichkeit dieser Beziehungen stabilisiert: krumm\/gerade, oben\/unten, hoch\/tief, Hand\/Kopf, Geld\/Liebe, Subjekt\/Objekt, Gesellschaft\/Gemeinschaft, Struktur\/Handlung, etc. Dieses Ordnungsprinzip stiftet zum einen Orientierung in dieser chaotischen Welt, indem es die kaum zu ertragende Komplexit\u00e4t reduziert. 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